Explosionsgeschützte Stapler für ATEX-Zonen

Sander Neufahrzeuge

Stapler-Flotte in einer modernen Lagerhalle
Sebastian Espig
Sebastian EspigVerkaufsleiter Lager- und Systemtechnik
Kurz gesagt: Ein explosionsgeschützter Stapler ist ein Flurförderzeug, das in Bereichen mit explosionsfähiger Atmosphäre arbeiten darf, ohne selbst zur Zündquelle zu werden. Elektrische, mechanische und thermische Komponenten sind dafür zusätzlich gesichert. Grundlage sind die ATEX-Richtlinie 2014/34/EU und die Norm EN 1755. Welche Ausführung Sie brauchen, hängt von der ATEX-Zone, der Explosionsgruppe des Stoffs und der Temperaturklasse ab.

Welche ATEX-Zone haben Sie im Betrieb?

Die Zone beschreibt, wie häufig eine explosionsfähige Atmosphäre an einem Ort auftritt. Sie legt fest, welche Gerätekategorie ein Stapler mindestens haben muss.
Hinweis: Für Zone 0 und Zone 20 gibt es keine Flurförderzeuge. In diesen Bereichen ist dauerhaft mit einer explosionsfähigen Atmosphäre zu rechnen; ein fahrendes Gerät mit Motor, Hydraulik und Bremsen lässt sich dafür nicht zulassen. In der Praxis heißt das: Der Stapler fährt bis an die Zonengrenze, der letzte Meter wird anders gelöst. Wie, klären wir mit Ihnen vor Ort.
ZoneWas liegt vorWie häufigErforderliche Gerätekategorie
Zone 0Gase, Dämpfe, Nebelständig oder langzeitig1G
Zone 1Gase, Dämpfe, Nebelgelegentlich im Normalbetrieb2G
Zone 2Gase, Dämpfe, Nebelselten und kurzzeitig3G
Zone 20brennbarer Staubständig oder langzeitig1D
Zone 21brennbarer Staubgelegentlich im Normalbetrieb2D
Zone 22brennbarer Staubselten und kurzzeitig3D

Ex-Schutz-Geräte von Linde Material Handling

Ein Ex-Schutz-Stapler von Linde Material Handling ist ein Seriengerät und steht diesem somit in Sachen Leistung und Komfort in nichts nach.Explosionsschutz ohne Leistungsverzicht
Auf der elektrischen Seite betrifft das Antrieb, Steuerung, Sensorik, Schalter und Display. Jedes dieser Bauteile erhält je nach Zone eine passende Zündschutzart, in Zone 1/21 zum Beispiel eine druckfeste Kapselung. Mechanisch geht es um alles, was Funken schlagen kann: Gabelzinken sind beschichtet, Bremsen und Hydraulik konstruktiv entschärft. Kunststoffteile wie Reifen und Fußmatten leiten elektrostatische Ladung ab, statt sie aufzubauen. Eine Temperaturüberwachung hält die Oberflächentemperatur auch im Dauerbetrieb unter dem Grenzwert der jeweiligen Temperaturklasse.
AnwendungTypische ZonePassender Gerätetyp
Fässer umfüllen, kippen, dosieren in der Produktion1/21Ex-Hochhubwagen mit Fasskipper, manuell oder ferngesteuert
Paletten aus der Produktion ins Lager1/21Ex-Elektro-Gegengewichtsstapler
Ein- und Auslagern im Gefahrstofflager2/22Ex-Schubmaststapler
Horizontaler Transport, Verladung2/22Ex-Niederhubwagen, Mitgänger oder mit Plattform
Schmalganglager mit Gefahrstoffen2/22Ex-Schmalganggerät
Behälter entleeren und transportieren im Recycling1/21Ex-Elektrostapler mit ATEX-Anbaugerät, z. B. Fassklammer

Was an einem Ex-Schutz-Stapler anders ist

Ein Ex-Schutz-Stapler ist ein Seriengerät mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen – kein eigenes Fahrzeug. Umschlagleistung und Ergonomie bleiben auf Serienniveau.Für Zone 1 und Zone 21 zertifiziert Linde nicht nur die einzelnen Baugruppen, sondern das komplette Fahrzeug. Das ist der Punkt, an dem sich ab Werk zertifizierte Geräte von nachträglichen Umbauten unterscheiden.

Elektrisch: Motor, Steuerung, Sensorik, Schalter und Display sind durch Zündschutzarten gesichert, in Zone 1/21 unter anderem mit druckfester Kapselung.

Mechanisch: An Gabelzinken, Bremsen und Hydraulik wird Funkenbildung konstruktiv vermieden; Gabelzinken sind beschichtet.

Elektrostatisch: Kunststoffteile wie Reifen und Fußmatten sind ableitfähig ausgeführt.

Thermisch: Eine Temperaturüberwachung hält die Oberflächentemperatur auch unter Volllast unter der Grenze der jeweiligen Temperaturklasse.

Betreiberpflichten

Der Stapler ist nur die halbe Aufgabe. Die andere Hälfte sind Ihre Pflichten als Betreiber – und die entstehen unabhängig davon, bei wem Sie das Fahrzeug kaufen. Zwei europäische Richtlinien greifen ineinander: 2014/34/EU regelt, was der Hersteller liefern muss, 1999/92/EG regelt, was Sie als Arbeitgeber tun müssen. In deutsches Recht umgesetzt ist das über Gefahrstoffverordnung und Betriebssicherheitsverordnung.
Bei den Schritten 1 bis 3 arbeiten Sie in der Regel mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit oder einem Explosionsschutz-Sachverständigen. Bei den Schritten 4 und 5 sind wir Ihr Ansprechpartner.
  1. Gefährdungsbeurteilung erstellen. Sie ermitteln, wo im Betrieb eine explosionsfähige Atmosphäre entstehen kann – durch Gase, Dämpfe, Nebel oder Staub.
  2. Zonen einteilen. Jeder Bereich wird einer Zone zugeordnet (0/1/2 für Gase, 20/21/22 für Stäube). Daraus ergibt sich, welche Gerätekategorie dort fahren darf.
  3. Explosionsschutzdokument führen. Nach § 6 Abs. 9 Gefahrstoffverordnung müssen Sie es vor Aufnahme der Arbeiten erstellen. Es hält Gefährdungsbeurteilung, Zoneneinteilung, Schutzmaßnahmen und die eingesetzten Arbeitsmittel fest – der Stapler gehört dort hinein.
  4. Passende Arbeitsmittel beschaffen und dokumentieren. Konformitätserklärung, Kennzeichnung und Zertifikat des Fahrzeugs gehören zur Dokumentation. Wir liefern diese Unterlagen mit dem Gerät.
  5. Prüfen lassen und Fahrer unterweisen. Prüfungen vor Inbetriebnahme und wiederkehrend, dazu eine Unterweisung, die den Einsatz im Ex-Bereich ausdrücklich abdeckt.

Prüftabelle

Die Fristen unten geben den allgemeinen Rahmen der Betriebssicherheitsverordnung wieder. Ob ein mobiles Flurförderzeug im Ex-Bereich als Teil der „Anlage" im Sinne von Anhang 2 Abschnitt 3 BetrSichV gilt, wird in der Praxis unterschiedlich gehandhabt.
Die UVV-Prüfung Ihres Staplers und die Ex-Schutz-Prüfung sind zwei verschiedene Prüfungen mit unterschiedlichen Fristen und unterschiedlichen Qualifikationen. Beide zu vergessen ist leicht – beide zusammen zu terminieren ist unsere Aufgabe. Unser Prüfservice überwacht die Fristen für Ihren gesamten Fuhrpark.
PrüfungRechtsgrundlageIntervallDurch wen
Prüfung vor InbetriebnahmeBetrSichVeinmalig vor erstem Einsatzzur Prüfung befähigte Person mit Ex-Fachkunde
Wiederkehrende Prüfung Flurförderzeug (UVV)DGUV Vorschrift 68 / DGUV Grundsatz 308-001mindestens jährlichmindestens jährlich | Sachkundiger für Flurförderzeuge
Wiederkehrende Prüfung der Geräte und Schutzsysteme im Ex-BereichBetrSichV Anhang 2 Abschnitt 3längstens alle 3 Jahrebefähigte Person mit Ex-Fachkunde
Wiederkehrende Prüfung der Gesamtanlage im Ex-BereichBetrSichV Anhang 2 Abschnitt 3längstens alle 6 Jahrebefähigte Person oder zugelassene Überwachungsstelle

Anwendungsfälle

In Produktion und Abfüllung entstehen Dämpfe von Lösemitteln wie Isopropanol. Typisch ist Zone 1 in der Produktion und Zone 2 im Lager. Für das Umfüllen von Fässern gibt es Ex-Hochhubwagen mit Fasskipper – manuell oder ferngesteuert, mit integrierter Waage für die Dosierung.

Häufige Fragen

Ein Ex-Gerät liegt deutlich über dem vergleichbaren Seriengerät, weil Bauteile, Zertifizierung und Prüfung dazukommen. Der Aufschlag hängt stark von der Zone ab: Zone 2/22 ist günstiger als Zone 1/21, weil dort weniger Zündschutzmaßnahmen nötig sind.